Pfarrhauseinweihung in Egweil
29. Juni 2014
Bericht: Prof. Joseph Renker
 und Hans-Peter Gabler
Fotos: Hans-Peter Gabler
Josef Marschalek

Pfarrhaus 20140629


Nach vielen Jahren des Stillstandes drohte dem alten Egweiler Pfarrhaus der endgültige Verfall. In der Bevölkerung war eine Nutzung oder Wiederherstellung auch längst abgeschrieben. Das Pfarrhaus dürfte wohl eines der ältesten Gebäude im Landkreis sein und geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Mit den durch die Ausgrabungen entdeckten Funden ist diese Zeit auch ziemlich genau zu belegen. Durch die Initiative von Professor Joseph Renker, der in dem Gebäude eine wertvolle historische Bedeutung sah, die unbedingt erhalten werden muss, konnte Anfang 2013 eine Sanierung des Gebäudes begonnen werden. Bauherr war die Katholische Kirchenstiftung St. Martin. Dank der vielen freiwilligen Helfer ist der Umbau nun abgeschlossen. Am Sonntag, dem 29. Juni 2014, wird das Pfarrhaus offiziell eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Die Räumlichkeiten im 1. Stock sind reserviert als Pfarrerwohnung. Das Pfarrhaus ist aber nicht nur Wohnstätte des Pfarrers, sondern Begegnungsstätte für die gesamte Pfarrgemeinde. Die Räume in Parterre können vielfältig genutzt werden, sei es als Jugendraum, als Versammlungsraum oder auch für pastorale Vorbereitungen. Laut Renker gibt nur eine derartige Mindestausstattung einer Pfarrei bei uns auf längere Sicht eine Zukunft. Die Feierlichkeiten der Einweihung beginnen um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Egweiler Pfarrkirche. Zelebriert wird die Messe von den Priestern Joseph Renker und Martin Penkalla sowie Pater Johannes. Sie werden im Anschluss auch die feierliche Einweihung des historischen Pfarrhauses vornehmen. Dazu besteht für die gesamte Bevölkerung bis 17 Uhr die Möglichkeit, das Gebäude zu besichtigen. Vor dem Pfarrhaus sind Zelte aufgebaut, in denen ab 12 Uhr ein Mittagstisch angeboten wird und ab 13 Uhr Kaffee und Kuchen.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass für Egweil von 1068 bis fast 1300 Adelige nachgewiesen sind. Dabei wird vermutet, dass das Pfarrhaus, evtl. mit noch vorhandenen Resten aus der Entstehungszeit, am Platz des ehemaligen festen Hauses der adeligen Ritter von Egweil steht. Tatsächlich brachten die archäologischen Grabungen im Außenbereich, die im März und April 2013 durchgeführt wurden, nördlich und westlich des Pfarrhauses Mauerstrukturen zutage, die zu einer ehemaligen Vorgänger- und Nebenbebauung gehören. Es konnten auch Teile eines frühmittelalterlichen Grubenhauses dokumentiert werden, also eine Zeit ca. vor 1000 n. Chr. Die Qualität der aufgefundenen Scherben aus hochwertiger Keramik weisen auch auf damalige adelige Bewohner hin. Die archäologischen Untersuchungen bestätigten auch, dass das Pfarrhaus öfter umgebaut worden ist, die Maße der äußeren Wände blieben aber unverändert. Ein Raum weist eine alte Pflasterung auf. Dort war wahrscheinlich das Pferd des damaligen Pfarrers untergebracht (Dienstwagen). Die Südfassade des Pfarrhofs ziert ein Wappen von Kaisheim, und ist mit der Jahreszahl 1624 bezeichnet. Anlässlich der Restaurierungsarbeiten wurden auch die Balken des Dachstuhls untersucht und die dendrologischen Prüfungen haben eine Fällzeit in diesen Jahren bestätigt. Im 30-jährigen Krieg ist das Haus teilweise verwüstet worden. Nach der Säkularisation blieb das Pfarrhaus zwar Eigentum der Kirchenstiftung, aber der Staat hatte die Baulast. 1903 wurde der Pfarrhof letztmals gründlich renoviert und kanalisiert. Die Kosten von 1.538 Mark trug der Staat.

Der jetzige Umbau brachte auch Kuriositäten ans Licht. Bei Baumaßnahmen 1961 wurde von den damaligen Arbeitern eine Flasche mit Zettelnotizen eingemauert. Diese „Flaschenpost“ wurde nun wiedergefunden.

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