EgWappenNeu Geweiht und aufgezogen
Im Egweiler Kirchturm läutet jetzt wieder eine Glocke aus dem 15. Jahrhundert
Montag, 23. März 2015
Bericht und Fotos:
Hans-Peter Gabler

 

Die bei den Renovierungsarbeiten im Egweiler Pfarrhaus entdeckte Kirchenglocke hängt wieder im Turm: Nach der Weihe haben sie Arbeiter mit einem Kran in die Höhe gehoben und dort installiert.

Gut drei Stunden und viel Maßarbeit hat es gebraucht, bis die rund 600 Kilogramm schwere Glocke wieder in den Turm der Pfarrkirche schwebte. Zuvor hatte sie Professor Joseph Renker unter Assistenz von Pater Slawomir Gluchowski und Pater Johannes Weise geweiht. Die Glocke trägt die Inschrift „Im Jahre des Herrn 1451 - o König der Herrlichkeit Christus - komm mit Frieden”. Nicht zuletzt deshalb hat sie Renker als „Friedensglocke” tituliert. Er verwies darauf, dass sowohl im Alten wie im Neuen Testament der Friede über 40-mal angesprochen sei. Gerade in den heutigen Unruhezeiten und unzähligen Kriegen der Vergangenheit sei der Frieden „immer mehr ein elementares Anliegen der Menschen”.

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Professor Joseph Renker weihte die Glocke am Montag, bevor sie auf den Turm gehoben wurde.
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Die Glocke soll künftig den Verstorbenen „den ewigen Frieden” einläuten, erklärte Renker. In der Egweiler Chronik ist dokumentiert, dass die Glocke im Jahr 1451 wahrscheinlich in Nürnberg gegossen wurde. „Glocken haben schon von ihrer Aufgabe her ihre Würde und rufen nach christlicher Tradition die Gläubigen zum Gebet und Kirchgang”, so der Ehrenbürger und langjährige Seelsorger Renker. Das habe die wertvolle Glocke über 500 Jahre in Egweil getan, bevor sie 1960 aussortiert und beiseite gestellt wurde.

Damals hat die Pfarrgemeinde neue Glocken mit den Tönen Fis’, A’, H’ und Cis’’ bei der Heidelberger Gießerei Schilling angeschafft. Die Glocke aus dem 15. Jahrhundert fügte sich von ihrem Klang her nicht mehr in das Geläute ein. Im Zuge der Pfarrhausrenovierung kam die Glocke, die ein eingestrichenes H als Ton anschlägt, wieder ans Tageslicht. Auf den gemeinsamen Wunsch der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates sollte sie zum 80. Geburtstag von Professor Renker, aber auch zur Freude der Gemeinde „neu belebt” werden.

Ursprünglich wollte man das Instrument am Friedhof aufstellen. Auf Anraten eines Glockenexperten entschieden sich die Verantwortlichen um Kirchenpfleger Berthold Mertel und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Meilinger - trotz vieler Mühen und Kosten - wieder für eine Unterbringung im Glockenturm.

Bereits vor Tagen wurde der Turm entsprechend vorbereitet und für die Aufnahme einer fünften Glocke umgestaltet. Wie Glockensachverständiger Thomas Winkelbauer vom Bistum Eichstätt erläuterte, konnte der 1961 angeschaffte Glockenstuhl aus Eichenholz so umgestaltet werden, dass die alte Glocke dort aufgehängt werden kann. Auch viele Kleinteile mussten mit dem Kran am Montag nach oben gebracht werden. So bekommen die 50 Jahre alten Glocken unter anderem neue Joche. Das Aufziehen des Materials musste in bestimmter Reihenfolge geschehen: Aufgrund der beengten Platzverhältnisse müssen alle Teile gleich eingebaut werden.

Als dann die alte neue Glocke unbeschadet und sicher im Fenster des Turmes angekommen war, würdigten die zahlreichen Zuschauer das Ereignis mit spontanem Applaus. Sie soll bis Ostern so montiert sein, dass sie auch geläutet werden kann.

   
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