TSV 100x100 Gesellschaftsspie(ge)l im TSV Egweil - ein Stück von und mit Bruder Clemens Röder
Gelungener Klamauk aus eigener Feder
18. Januar 2020

 

Das Theaterensemble des TSV-Egweil ist mit einem neuen Stück im Sportheim in Egweil aufgetreten.

Theater 18.01.2020
Das Theaterensemble: (hintere Reihe von links ) Lilli Maile, Bruder Justin Veit, Bettina Heinrich, Andrea Wagner, Albert Meier, Petra Riegler. (Vordere Reihe von links ) Daniel Koch, Bruder Martin Weise, Bruder Clemens Röder.
Foto: Schieber

Die Reaktionen des Publikums waren bei beiden ausverkauften Vorstellungen eindeutig: Das Stück „Gesellschaftsspie(ge)l” war reich an Komik. Der Dreiakter war vom ersten Moment an darauf ausgelegt, die Zuschauer auf ehrliche, selbstironische und humorvolle Weise zu unterhalten - mit Erfolg!

Nachdem Bruder Clemens im letzten Jahr mit einem neuen Ensemble und dem texgewaltigen Stück „Hiob 2.0” ein theologisch-philosophisches Stück auf hohem Niveau präsentiert hatte, war die Spannung auf das diesjährige Stück groß. Ein zweites, selbstgeschriebenes Stück, in dem „tragische Figuren urwitzig inszeniert” werden „mit dem Hauch einer Schauergeschichte” hat es in dem Programmheft geheißen. Und so kam es dann auch: Für ein Experiment haben sich fünf gebrochene Existenzen auf dem Weg gemacht und wollen für 30000 Euro eine Woche auf ihre Bürgerrechte und Privatsphäre verzichten. Natürlich können die Probanden, die vom bulgarischen Baron (gespielt von Bruder Martin Weise) eigens ausgesucht werden, unterschiedlicher nicht sein: ein verkannter, autistischer und doch exzentrischer Dirigent mit Reinheits-Tick, der nach und nach und mit Hilfe von diversen „Substanzen” seine Hemmungen verliert, wurde von Bruder Justin Veit überzeugend gespielt und sorgte für schrille, aufbrausende und schließlich romantische Momente. Die „Femme Fatale” - gespielt von Lilli Maile - sorgte für einen nüchternen Realismus und ließ die Männerherzen dabei höher schlagen. Wie schon im letzten Jahr sang sie die von Röder und Veit geschriebenen Lieder mit energievoller Stimmgewalt. Daniel Koch spielte mit Präzision den jungen Bauern Xaver, der mit Temperament und einer großen Portion Schläue die Vorurteile über Leute vom Land mal bedient und mal widerlegt. Einen gelungenen Auftritt legte Andrea Wagner in der Rolle der „Gräfin Bixlmadam” hin und sorgte mit Selbstironie für einen Lacher nach dem anderen. Bruder Clemens spielte als Günther eine Mischung aus Horst Schlämmer und Atze Schröder und ergänzte energiegeladen und facettenreich das Ensemble mit Gesang, Tanz und Witz.

Gekonnt wird im Stück die Szenerie durch die Erzählung der Hintergrundgeschichte unterbrochen: der hochintelligente, soziopathische Vincent - von Alexander Meier souverän und mit jugendlicher Frische dargerstellt - wickelt seine Psychologin Frau Drümslög (gespielt von Petra Riegler) um den Finger und findet den wahren Grund für das Experiment heraus: Vincent soll als Mutprobe einen der Probanden umbringen.

Äußerst kunstvoll wechselt das Stück zwischen den verschiedenen Ebenen und lässt keinen Platz für Langeweile. Jede Figur wird schauspielerisch entfaltet und gibt den Darstellern die Möglichkeit ihr ganzes Können einzusetzen. Bettina Heinrich bekommt für ihre Slapstick-Einlagen als Assistentin des Barons nach jedem Einsatz Szenenapplaus.

Den sowohl künstlerischen als auch humoristischen Höhepunkt erreichte das Stück, als einem der Protagonisten von der „Gräfin” ein riesiger Steinkrug - in Zeitlupe! - unter der Begleitung klassischer Musik über den Schädel gezogen wird. In dieser Szene kulminierte die Kreativität des Regisseurs, das präzise abgestimmte Schauspielerteam und die Einzeldarstellung in Mimik und Körpersprache.

Ausgiebig gelobt wurde von den Darstellern die tolle Atmosphäre im Publikum. Bruder Clemens hat bereits signalisiert, dass die vielen Anfragen nach einer weiteren Aufführung vermutlich Mitte Mai positiv beantwortet werden.

   
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