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20. Januar 2026
Bericht und Foto: Hans-Peter Gabler

Richtungswechsel für das Kirchenschiff
Pfarrkirche in Egweil wurde 1950 nach mehrjährigem Umbau dem Patron St. Martin geweiht

St. Martin - 1947
Die Egweiler Pfarrkirche stand bis 1947 in klassischer Aus-
richtung Ost-West, bevor sie im Zuge eines Umbaus in
Nord-Süd-Richtung umgebaut wurde.
Foto: Hans-Peter Gabler, Repro


Die Egweiler Pfarrkirche St. Martin ist in ihrem aktuellen Zustand 75 Jahre alt geworden. Tatsächlich ist das Gotteshaus aber deutlich älter: Das Kirchenschiff stand bis 1947 klassisch in Ost-West-Richtung – wie auch andere Kirchen. 1943 machten sich die Bewohner allerdings Gedanken über eine Erweiterung, denn St. Martin war zu klein geworden für die damals noch zahlreicheren Besucher.

Was fehlte, war jedoch der Platz. So entschied man sich für einen kompletten Umbau, in dessen Zuge das Kirchenschiff in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet werden sollte. Ein Teil der Kirche wurde abgerissen und auch der Innenbereich wurde vollständig neu aufgebaut. Die Steine dafür holten die Bauern mit ihren Fuhrwerken aus Ingolstadt. Sie stammten von gesprengten Gebäuden. In Egweil waren besonders die Frauen damit beschäftigt, die Steine vom alten Mörtel zu säubern, um sie wiederzuverwenden.

Durch die Veränderung der Grundfläche der Kirche mussten auch einige Gräber weichen. Sie wurden nachts umgebettet. Bis 1947 dauerten die Maßnahmen, die durch viele freiwillige Helfer, Ehrenamtliche und Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats durchgeführt wurden.

Auch wenn die Kirche in ihrer heutigen Form für ein Gotteshaus vergleichsweise jung ist, reichen die Wurzeln viele Jahrhunderte zurück. Der frühere Seelsorger der Gemeinde, Josef Renker, hatte recherchiert, dass Funde von steinzeitlichen Geräten auf eine frühe Besiedlung der Flur hinweisen. An eine römisch-keltische Besiedlung erinnern heute noch ein in die Kirchenmauer eingelassener römischer Grabstein. Schriftliche Urkunden zu Egweil beginnen mit dem Jahr 847. Bischof Gundekar II. weihte 1057 die Egweiler Kirche. Es gab wahrscheinlich schon länger eine christliche Gemeinde. Bereits 1214 werden Besitzungen des Klosters Kaisheim in Egweil urkundlich erwähnt. 1219 verlieh der Eichstätter Bischof das Patronatsrecht für die Pfarrei Egweil an das Kloster und bis 1239 ging der Zehent an Kaisheim.

Bis zur Säkularisation 1803 sind Besitzungen des Klosters Kaisheim in Egweil nachweisbar. Die Bevölkerung von Egweil war in den Jahren um 1880 ständig gewachsen. Seit Jahren hatten die Pfarrer und Verantwortlichen darauf hingewiesen, dass in der Kirche zu wenig Platz sei. Anträge bei den Behörden für eine Erweiterung der Kirche verliefen allerdings stets im Sande. Eine notwendige Renovierung konnte 1923 vollzogen werden, bevor rund 20 Jahre später die ersehnte Erweiterung samt Umbau begann. In der Zeit von 1925 bis 1959 war Michael Hummel der zuständige Pfarrer. Er galt als Befürworter einer Kirchenerweiterung. Im November 1950 weihte der damalige Bischof Joseph Schröffer die Kirche dem Patron St. Martin. Die älteste Figur des Patrons steht nun neben dem Altar und stammt aus der Zeit um das Jahr 1300.

Bis heute kümmern sich viele Helfer um das Erscheinungsbild des Gebäudes und wirken dadurch mit, dass es in Egweil weiterhin eine lebendige Pfarrgemeinde gibt. Damit es so bleibt, benötigt die Pfarrgemeinde handlungsfähige Gremien wie die Kirchenverwaltung und den Pfarrgemeinderat.